Artenschutz im östlichen Ruhrgebiet

Für einige Tierarten bemühen wir uns um spezielle Schutz- und Fördermaßnahmen: Weil sie bei uns vom Aussterben bedroht sind oder weil sie trotz landesweiter Bestandsrückgänge  im Ruhrgebiet noch relativ häufig sind, wir aber in Herne und Bochum eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Arten erkennen. Für unseren Stationsvogel, den Haussperling oder schlicht Spatz, finden Sie Informationen unter Rat und Tat. Er ist aber nicht die einzige Art, um die wir uns kümmern.

 

 


Projekt Gebäudebrüterschutz

Junger Mauersegeler. Foto: Marc Düppenbecker

Neben unseren langjährigen lokalen Aktionen zum Schutz von Haussperling und Mauersegler betreiben wir seit dem Jahre 2016 gemeinsam mit der Biologischen Station/ Naturschutzzentrum Hagen und der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet dieses Regionalprojekt zum Schutz aller gefährdeten Arten, die im und am Gebäude vorkommen. Das Umweltministerium NRW fördert die Beratung zu Ihrem Bau- oder Sanierungsvorhaben im Ruhrgebiet: Sprechen Sie uns an.

 

Beispiel Mauersegler

 

Der Mauersegler ist ursprünglich ein Felsbewohner, der vor langer Zeit für ihn adäquate Lebensräume an Gebäuden gefunden hat. Er nutzt Hohlräume mit kleinen Öffnungen im Dachbereich. Die Bestände dieses Luftakrobaten nehmen in letzter Zeit sehr stark ab. Hauptgefährdungsfaktor ist der Brutplatzverlust durch an sich positiv zu bewertende Sanierungsmaßnahmen. Neben den bewährten Koloniekästen zur Montage an der Gebäudewand gibt es heute auch Möglichkeiten, Einbaukästen bei der Sanierung von Fassaden oder direkt beim Hausneubau in die Gebäudewand zu integrieren. Zu allen Fragen, die damit zusammenhängen, beraten wir gerne und kostenlos im Rahmen unseres Arbeitsprogrammes. Besonders willkommen sind uns dabei auch die großen Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften: Sie haben die Möglichkeit, diesem beeindruckenden Vogel in großem Stil „unter die Flügel“ zu greifen.

 

Beispiel Zwergfledermaus

 

Dieses kleine Wesen gehört zu unseren Säugetieren. Wie viele andere Fledermausarten nutzt sie Nischen und Hohlräume an der Außenfassade von Gebäuden. Als „Hausfledermäuse“ lassen auch sie sich ähnlich wie der Mauersegler durch am Gebäude integrierte Nisthilfen hervorragend bei der Suche nach Quartieren unterstützen.

 

Amphibienschutz

Geburtshelferkröte (Männchen) mit Laich. Foto: Lothar Blödow

Die Geburtshelferkröte

 

besitzt eine besondere Fortpflanzungsbiologie:  Das Männchen trägt die befruchteten Laichschnüre bis kurz vor dem Schlüpfen der Kaulquappen im Gewässer an seinem Hinterleib. Doch auch solche intensive Fürsorge konnte den massiven Rückgang unseres seltensten Froschlurches im Ruhrgebiet nicht verhindern: Die Art erreicht hier ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze. In einer Masterarbeit der Ruhr-Universität-Bochum wurden drastische Bestandsverluste dokumentiert. Auf Grundlage dieser Untersuchung erstellt die Biologische Station Östliches Ruhrgebiet Maßnahmenpläne zur Optimierung von Laichgewässern und Landlebensräumen für die Geburtshelferkröte. Gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem NABU Bochum bemüht sie sich um deren Umsetzung.

 

Die Kreuzkröte

 

Anders als die übrigen heimischen Amphibienarten kehrt die geschlechtsreife Kreuzkröte nicht zu ihrem Ursprungsgewässer im Frühjahr zurück. Vielmehr ist sie ein Vagabund, der auf der Suche nach neuen Laichgewässern ständig unterwegs ist. Ursprünglich lebte sie hauptsächlich im Uferbereich unserer großen Flüsse und Ströme. Dort nutzte sie temporäre Gewässer für das Laichgeschäft. Solche Wildflusslandschaften sind heute rar geworden. Mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet hat sie aber vergleichbare Lebensräume erschließen können und besitzt deshalb seit einigen Jahren in unserer Region das Schwerpunktvorkommen innerhalb von Nordrhein-Westfalen.

 

Aufgrund der eingangs beschriebenen hohen Mobilität dieser Art sind für die Kreuzkröte städteübergreifende Schutzmaßnahmen zwingend. Gemeinsam mit unserer Partnerstation im westlichen Ruhrgebiet bemühen wir uns seit 2015 um ein regionales Schutzkonzept, welches sich auf ein EDV-gestütztes Kataster stützen soll. Auch wenn sich alle Beteiligten über die positive Bedeutung eines solchen Projektes einig sind und dies u.a. vom Landesamt für Naturschutz vehement gefordert wird, steckt der Aufbau des Katasters aufgrund nicht gelöster Finanzierungsfragen zurzeit noch in seinen Anfängen.